Die Geschichte des Würzburger SM-Stammtischs aus der Sicht eines
Gründers
Es war Anfang 1993, als ich im damaligen Würzburger Stadtmagazin "Trend"
eine Anzeige entdeckt habe, in welcher gleichgesinnte SMler gesucht wurden. Sicher,
schon lange hatte ich in mir das Gefühl, dass Schläge unter gewissen Umständen
auch etwas Positives an sich haben können, aber mit erst 23 Jahren und in der
damaligen Zeit, als SM noch nicht so "normal" wie heute war, war ich mir nicht
hundertprozentig sicher, psychisch ganz bei Trost zu sein. Deswegen nahm ich
meinen ganzen Mut zusammen und schrieb einen Brief an die angegebene
Chiffre-Nummer.
Es hat nicht lange gedauert, und Klaus hat mich angerufen. Schon nach dem
ersten, langen Telefonat war mir klar, ich bin doch nicht verrückt und zum Glück
als SMler nicht alleine auf der Welt. Sogar in Würzburg gab es noch andere wie
mich.
Klaus hatte über mehrere Monate hinweg alle Interessenten "gesammelt", und
inzwischen war es Mitte Juli, als wir uns zum ersten Mal in einem Biergarten
trafen. Anfangs waren alle noch etwas zurückhaltend, aber nachdem einer
angefangen hatte, sich und seine Neigungen vorzustellen, ging es einfacher, und
andere machten es ihm nach. Die jüngste Anwesende war gerade mal 18, der älteste
fast 50. Es war nicht einfach, alle Neigungen zu verstehen, und bei manchen habe
ich mich gefragt, was sie hier wollten, aber vielleicht habe auch ich auf den
einen oder anderen so gewirkt.
Die 25 Leute, die beim ersten Treffen dabei waren, haben die Basis für unsere
Gruppe gebildet, die sich auch heute noch regelmäßig trifft, wenn auch von der
Urbesetzung nur noch zwei, höchstens drei, mehr oder weniger regelmäßige
Stammtischbesucher übrig geblieben sind.
Wir hatten uns schon damals viel vorgenommen, aber schnell mussten wir merken,
dass gute Vorsätze eine Sache sind, jedoch die Dinge in die Tat umzusetzen, eine
andere. Klar, gleich am Anfang haben wir eine Session bei jemand im Keller
gemacht, auch wenn mein Hintern danach für drei Wochen saunauntauglich war. Aber
ich wollte es ja wissen.
Big Brother – das hatten wir auch schon mal. Es war die Zeit der 1.
Kinderporno-Welle, etwa 1996, da ist wohl jemand auf die Idee gekommen, unsere
Post einfach mal mitzulesen, und so haben wir über ein Dreivierteljahr die
Briefe mit dem Vermerk "Postalisch geöffnet" im Postfach vorgefunden.
Wir haben in den Jahren ca. 300 Leute "durchgeschleust". Es gab Windelträger,
Männer in Nylons oder mit scharfen Rasierklingen. Selbst jemand, der auf
Zwangsbesamung stand, war bei uns. Unsere Gruppe versuchte immer tolerant zu
sein. Irgendwie regelt sich in einer Gruppe alles von selbst, wenn sie
funktioniert und eine gute Organisation hat.
Inzwischen ist viel passiert. Wir hatten ein Zehn-Jahres-Treffen, die
Organisation des Stammtisches (ja, solche Leute muss es geben!), hat sich
deutlich verjüngt und wir "alten Hasen" sind über unseren Schatten gesprungen,
haben die neuen Medien (E-Mail und Internet) Einzug halten lassen, aber sind
auch erleichtert, dass wir ein Stück Verantwortung an Jüngere abgeben konnten.
Gerne erinnere ich mich zurück, wie sehr mir der Kreis bei meinem Outing
geholfen hat und bei der Erkenntnis, dass ich als SMler nicht verrückt bin.
Diese Hilfe sollen auch andere bekommen. Deswegen bemühe ich mich, jeden Neuen
in unserer Mitte herzlich willkommenzuheißen und auch denjenigen Vorlieben offen
gegenüberzustehen, mit denen ich persönlich nichts anfangen kann.
Ein kleines Schild mit der Aufschrift "Oliver & Klaus", das einmal im
Monat einen langen Tisch für uns reserviert, zeigt mir, dass mein persönlicher Einsatz
für diese Gruppe nicht umsonst war, und ein klein wenig bin ich auch stolz
darauf.
Oliver, im Juli 2005
|